Dissertationen

Miriam Chebbah

Zusammenfassung des Dissertationsprojekts

Kodes der intimen Annäherung

In Anlehnung an die schon klassische Formulierung von Erving Goffman fragt das Dissertationsprojekt: „Was geht eigentlich vor, wenn Menschen einander intim annähern?” Die Dissertation will also untersuchen, wie intime Annäherung vollzogen wird, wie Gefühle der Zuneigung und des Interesses gezeigt und verborgen werden, welche Zeichen der Zugehörigkeit und der Beziehung füreinander im Vorstadium einer etablierten Beziehung füreinander produziert werden. Die Forschung über Partnerschaft und Liebe beschäftigt sich mit der gesellschaftlichen Konstruktion von Liebesvorstellungen. Gefühle und Gedanken, Vorstellungen von Intimität und intime Handlungsweisen, Vorstellungen von Partnerschaft und Familie sind nicht Ausdruck einer Natur des Menschen, sondern - so die Annahme - Teil einer gesellschaftlich hervorgebrachten und kulturell gerahmten Praxis. Das Dissertationsprojekt untersucht, wie sie vollzogen wird. Dabei geht es mit einer mikroskopischen Optik der Frage nach, wie sich Menschen finden bzw. wie sie ihre (gemeinsam unterstellte) Passung füreinander herstellen und darstellen. Mit der ethnographischen Erkundung der Annäherung richtet sich der analytische Blick auf das Davor der Partnerschaft.

Kornelia Engert

Zusammenfassung des Dissertationsprojekts

The Body of Knowledge: Fieldwork, Concepts and Theory in the Social Sciences

In der Tradition der wissenschaftssoziologischen Laborstudien fragt das Projekt nach den kulturellen Bedingungen der Produktion wissenschaftlichen Wissens. Am Beispiel der Soziologie geht es davon aus, dass das forscherische Repertoire aus einer Reihe von Wissenspraktiken besteht, die auf je spezifische Weise dazu dienen, Artikulationen möglich zu machen. Entlang dieser Wissenspraktiken- wie u. a. sprechen, schreiben, denken - untersucht die Dissertation, wie und durch welche akademischen und forschungsbasierten Methoden die Vorstellung von der sozialen Welt praktisch in eine soziologische Darstellung der Welt transformiert wird. Akademisch und praktisch sind dabei nicht als Gegensatzpaar, ähnlich einer Kontrastfolie aus Theorie und Praxis zu verstehen; vielmehr soll gerade die akademische Wissensproduktion als alltägliche Praxis in den Blick genommen werden.
Die Studie fokussiert nicht fertiggestellte Forschungsprodukte, sondern erforscht die Situationen, in denen soziologisches Wissen erzeugt wird und in Bewegung ist - etwa bei der Herstellung und Interpretation empirischer Daten oder beim Schreiben eines soziologischen Aufsatzes. In diesen alltäglichen Situationen artikuliert und zeigt sich soziologisches Wissen in vorläufiger und suchender, tentativer und kreativer Weise (etwa im Rahmen von Data-Sessions, in denen empirisches Material interpretativ gedeutet wird, oder in Schreibsituationen, in denen passende Formulierungen durchgespielt werden). Formulieren und Gestikulieren, Hadern und Ringen um soziologische Ausdrucksweisen geben dabei Hinweise auf beobachtbare Methoden und Intensitäten einer Artikulationspraxis, die in ihrer Hervorbringung mündliche und schriftliche, körperliche und kognitive Repertoires nutzt.

Die Dissertation will empirisch zeigen, wie sich

- situierte Gesprächsdiskurse als methodische Erörterungen ausdrücken und erkennbar werden;

- forschende Subjekte zum Denken animieren und hierzu "€šcognitive devices" verwenden;

- Daten und Erkenntnisse sowie relevante Literaturbezüge in vielfach überarbeiteten Forschungspapieren festschreiben;

Luise Klus

Zusammenfassung des Dissertationsprojekts

Soziologie des Asset Managements für institutionelle Anleger

Das Dissertationsprojekt untersucht die Arbeitsprozesse des Portfoliomanagements im Rahmen der Vermögensverwaltung (Asset Management) für institutionelle Anleger.

Mit der neueren Forschungsrichtung der „Social Studies of Finance” hat die Soziologie in den letzten Jahren ihr Augenmerk auf die Finanzmärkte und die dort agierenden Akteure gerichtet. Dabei stehen die alltäglichen Praktiken des Finanzsektors, die Rolle der implementierten Technologien sowie die Logik ökonomischer Darstellungen im Fokus der empirischen Aufmerksamkeit. Während sich eine Vielzahl der Studien auf Bereiche des Finanzmarkts richten, in denen eine Unmittelbarkeit des Handelns unter hohem Zeitdruck vorliegt, wie zum Beispiel in den Trading Rooms für Devisen oder Derivate, so behandelt das Projekt mit dem Fondsmanagement für institutionelle Anleger einen Bereich, der weniger volatil und nicht von so extremen Zeitdruck geprägt ist. Hingegen spielen vielmehr strategische Elemente, theoretische Annahmen, Teamarbeit innerhalb von Entscheidungsgremien sowie die Interaktion mit Kunden eine große Rolle.
Institutionelle Anleger, beispielsweise Versicherungen, Versorgungswerke oder Kirchen, haben einen großen Anlagebedarf, den sie u.a. in Spezialfonds verwirklichen. Dabei unterliegt ihr Anlageverhalten spezifischen Restriktionen hinsichtlich Renditeanforderungen, Risikobegrenzungen, Laufzeit und Liquidität. Das Projekt nimmt Kapitalanlagegesellschaften, die Produkte für diese Kundengruppe anbieten, in den Blick und untersucht die komplexen Prozesse, die bei der Zusammenarbeit der beteiligten Organisations- und Entscheidungsebenen (Produktentwicklung, Portfoliomanagement, Kontrolle, Vertrieb) entstehen. Besondere Aufmerksamkeit richtet sich darauf, in welcher Form einerseits theoretische Grundlagen der Finanzmarkt- und Portfoliotheorie sowie andererseits Objektivierungsverfahren z.B. in Form von Kennzahlen im täglichen Handeln der Akteure eine Rolle spielen. Methodisch stützt sich das Projekt auf Interviews, die mit Akteuren der KAGs sowie der investierenden Institute geführt werden.