Dissertationsprojekt Miriam Chebbah

Zusammenfassung des Dissertationsprojekts

Soziologie der Liebe. Zur Praxis intimer Annäherung und Bindung

Die Soziologie weiß einiges über Paarbeziehungen, Liebe, Annäherung, Intimität, Matchmaking und Familie. Oft verweist sie dabei auf die gesellschaftliche Konstruktionsleistung von Liebesvorstellungen (Niklas Luhmann, Eva Illouz) oder berichtet von Gleichen, die sich aus schichtähnlichen Merkmalen zusammentun. Schönheit, Status, Macht, Schichtzugehörigkeit, Ethnie, finanzieller Status sind ausschlaggebend für diese soziale Wahlverwandtschaft. Schließlich weisen andere Autoren der Soziologie die Aufgabe zu, Gefühle der Liebe und Intimität zu entzaubern und desillusionieren. Ziel des Dissertationsprojektes ist es, einen empirisch-ethnographischen Blick auf dieses soziale Phänomen von Intimität zu werfen und eine empirische Theorie von Intimbeziehungen zu skizzieren. Dabei werden Begriffe wie etwa ‚Liebe‘, ‚Paar‘, ‚Annäherung‘ nicht a priori gesetzt, sondern offen und unbestimmt gehalten, um den TeilnehmernInnen in ihrer Praxis und in ihrem Verständnis von Intimität zu folgen. Das Projekt fragt dabei: Wie stellen die TeilnehmerInnen ihren Glauben oder ihre Fiktion an die Einzigartigkeit und Dauer ihrer intimen Liebesbeziehung(en) her? Was muss aus Sicht der Akteure getan werden (bzw. getan worden sein) und was muss geschehen (sein), damit Intimität entstehen kann? Dieser Prozess der Annäherung liefert Erkenntnisse darüber, wie sich neue Welten miteinander synchronisieren und wie Begegnungen durch das fragile Spiel von Absicht/Offenheit, Authenzität/Gesichtswahrung, Öffentlichkeit/Privatheit gefährdet, unterbunden oder ermöglicht werden. Die Beobachtung von intimen Annäherungs- und Begegnungspraktiken eröffnet den Blick auf Sichtweisen und lebensweltliche Probleme, sozialen Verstrickungen  und kommunikativen Irritationen, auf Emotionen des Glücks und Klärungen der Zugehörigkeit. Die Dissertation untersucht in einer praxistheoretischen Grundhaltung die situativen Umstände: Räume, Dinge/Artefakte, Affekte/Gefühle sowie Atmosphären/Sinne/ Wahrnehmung werden zu wichtigen Komponenten einer zeitgenössischen soziologischen Analyse intimer Annäherungen, Begegnungen und Beziehungen.