Dissertationsprojekt Tristan Dittrich

Zusammenfassung des Dissertationsprojekts

Die Evolution von Differenzierungen – Nachahmung und Selektion in der Schule (Arbeitstitel)

Bewertungen sind ein allgegenwärtiges soziales Phänomen: Produkte und Dienste, aber auch Personen und Kollektive sind der Gegenstand von folgenreichen Vergleichs- und Bewertungsprozessen. Eine Soziologie der Bewertung untersucht deshalb Prozesse und Praktiken des Kategorisierens, Vermessens, Bewertens, Vergleichens und der Evaluation. Die Dissertation schließt an diese Soziologie der Bewertung an und untersucht die Bewertung von Schülern der Primarstufe und Sekundarstufe I. Davon ausgehend, dass die Organisation Schule zwei gesellschaftliche Funktionen erfüllt – sie vermittelt Wissen an Schüler (Vermittlungsfunktion) und sie vermittelt Wissen über Schüler (Selektionsfunktion) –, fragt die Arbeit nach Praktiken der fortlaufenden Bewertung des Wissenserwerbs und der intellektuellen Entwicklung der Schüler.
Die Arbeit konzentriert sich bei der Untersuchung dieser Praktiken auf zwei Schwerpunkte: Erstens fragt sie nach der Humandifferenzierung im Kontext der Schule. Wie bringt die Organisation Schule also aus formellen und informellen Bewertungsprozessen Unterschiede zwischen Menschen hervor? Um Antworten auf diese Frage zu finden, geht die Arbeit nicht nur auf mündliche und schriftliche Prüfungssituationen ein, sondern beschäftigt sich auch mit der latenten Bewertung von Schülern im laufenden Unterricht sowie mit Bewertungskontexten außerhalb von Lehrer-Schüler-Interaktionen – etwa im Lehrerzimmer. Der zweite Schwerpunkt besteht darin, transsituative Verknüpfungen unterschiedlicher Stationen innerhalb dieser Bewertungskonstellationen empirisch zu zeigen, denn die vielfältigen Situationen, in denen die Bewertung von Schülern zum Thema werden kann, sind miteinander verbunden und formieren dynamische Konstellationen. Sich daran anschließende Fragen sind sind, wie sich diese Verbindungen empirisch zeigen, wie sich die an der Bewertung Beteiligten auf frühere bzw. andere Urteile beziehen und wie Urteile aneinander anschließen und sich dabei ausdifferenzieren.