Abgeschlossene Forschungsprojekte

Ökonomisches Rechnen.


Die Erzeugung kalkulativer Wirklichkeiten in der Finanzwirtschaft

Ein wesentliches Kennzeichen moderner Gesellschaften ist die Berechnung einer Vielzahl sozialer Phänomene. Kalkulation gilt als probates und zuverlässiges Mittel, um angemessen auf die Herausforderungen von Globalisierungsprozessen und gesellschaftlichen Steuerungserfordernissen reagieren zu können. Moderne Gesellschaften sind accounting societies, in denen die Rationalität des Berechnens zu ihrem Wesensmerkmal geworden ist. Hier setzt das Forschungsprojekt an: Am Beispiel der Finanzwissenschaft untersucht es die Konstitution ökonomischer Wirklichkeit durch die Übersetzung empirischer Sachverhalte in finanzmathematische Formeln und durch deren Verwendung im Rahmen kalkulativer Praktiken im operativen Geschäft. Zentral für diesen Konstitutionsprozess sind erstens mathematische Zeichen als Medium der Kalkulation: Die Übersetzung sowie die operative Berechnung ökonomischer Sachverhalte in und durch Formeln werden durch dieses Medium theoretisch induziert und damit performativ gerahmt. Empirisch untersucht das Forschungsprojekt die Entwicklung finanzmathematischer Formeln und ihre Umsetzung auf internationalen Finanzmärkten.

DFG-Projektförderung: 2006-2009

Antragsteller: Univ.-Prof. Dr. Herbert Kalthoff

Bankwirtschaftliches Wissen und postsozialistische Ordnung

Im Kontext der Transformationsprozesse in den Gesellschaften Mittel- und Osteuropas wird das Bankwesen dieser Länder modernisiert. Ein wesentlicher Bestandteil der Modernisierung ist mit der Einführung und Implementierung westlicher Bankprodukte, Finanzierungsinstrumente und Analyseverfahren verbunden. Die Übersetzung bankwirtschaftlicher Instrumente in einen anderen Kontext als dem ihrer Entwicklung macht das, was innerhalb eines eingespielten Systems verborgen bleibt, sichtbar. Das Habilitationsprojekt unersucht die mit der Einführung und Anwendung dieser Produkte und Verfahren verknüpften Wissensprozesse und Praktiken und ihre jeweiligen Implikationen. Die empirische Basis sind ethnografisch generierte Daten, die im Laufe einer mehrmonatigen Feldforschung in zwei Geschäftsbanken erhoben wurden. Neben der Analyse der Implementierung und Funktionsweise westlichen bankwirtschaftlichen Wissens in Ländern Mittel- und Osteuropas verfolgt die geplante Habilitationsschrift das Ziel, aus der Perspektive einer Wissens- und Kultursoziologie einen Beitrag zur sozialwissenschaftlichen Diskussion (bank-)wirtschaftlicher Prozesse des Verstehens zu leisten. Theoretisch ist das Habilitationsprojekt in die `neue Wirtschaftssoziologie' (Soziolocy of Economics and Finance) einzuordnen, die ihr Forschungsinteresse auf die Performanz ökonomischer Repräsentationen und auf die Analyse lokal situierter Handlungen konzentriert. Konkret bedeutet dies, daß die Analyse der bankwirtschaftlichen Praktiken und Repräsentationen durch die Analyse der Art und Weise, wie die Bankwirtschaft ökonomische Praxis repräsentiert, ergänzt wird. Mit dieser Verknüpfung sollen die jeweiligen Rückwirkungen von Praktiken und Repräsentationen für bankwirtschaftliche Verstehensprozesse erfaßt werden.

DFG-Projektförderung: 2001-2003

Antragsteller: Univ.-Prof. Dr. Herbert Kalthoff