Empirische Lehrprojekte

Religiöse Rituale

WS 2013/14, SS 2014

Leitung: Torsten Cress, M.A.

Zielgruppe: Master Studierende im Studiengang Soziologie, Studierende im Diplomstudiengang Soziologie, Studierende im Magisterstudiengang Soziologie (Hauptfach)

Stellung im Studiengang: M.A. Soziologie: Modul MA 5 „Empirisches Projekt”; Diplom: Empirisches Projekt; Magister: Empirisches Projekt

Inhalt: Das Projektseminar führt das im vergangenen Wintersemester begonnene empirische Projekt fort. Nachdem wir uns im ersten der beiden Semester dem Feld religiöser Rituale theoretisch angenähert haben, die einzelnen Stufen des ethnographischen Forschungsprozesses kennengelernt und mit der Grounded Theory ein analytisches Instrumentarium zum Umgang mit dem Datenmaterial besprochen haben, steht im zweiten Teil nun die Durchführung der Datenanalyse im Vordergrund. Die in Form eines Workshops organisierte Arbeit am Material mündet schließlich in die als Leistungsnachweis zu verfassenden Projektberichte.

Wissens- und Kreativarbeit. Ethnographische Erkundungen des "Neuen"

WS 2012/13, SS 2013

Leitung: Kornelia Engert, M.A.

Zielgruppe: Master Studierende im Studiengang Soziologie, Studierende im Diplomstudiengang Soziologie, Studierende im Magisterstudiengang Soziologie (Hauptfach)

Stellung im Studiengang: M.A. Soziologie: Modul MA 5 „Empirisches Projekt”; Diplom: Empirisches Projekt; Magister: Empirisches Projekt

Inhalt: Schlüsselbegriffe wie „Innovation”, „Wissensgesellschaft” oder „Kulturindustrie” sollen die Bedeutung von kreativ-schaffenden und wissensgenerierenden Arbeitsfeldern im gesellschaftlichen Diskurs verankern. Innerhalb der Wissens- und Kultursoziologie sind erkenntniserzeugende Arbeitsformen und Produktionsweisen bislang hauptsächlich innerhalb wissenschaftssoziologischer Forschungen untersucht worden. Es konnte gezeigt werden, dass in den vermeintlich „harten” Naturwissenschaften bedeutsame interpretationsbedürftige Vieldeutigkeiten und soziale Aushandlungen mit der Generierung neuen Wissens verbunden sind. Mit einem starken Akzent auf den „technischen Faktor” in naturwissenschaftlichen Laboren gerieten jedoch bisweilen „weichere” und „schlichtere” Technologien forschenden und suchenden Arbeitens aus dem Blick: Recherchieren, Sichten, Lesen, Skizzieren, Entwerfen, Aufschreiben, Überlegen, Besprechen, Gestikulieren, Modellieren, Gestalten und Verwerfen erscheinen dabei als zentrale Methoden, welche das experimentierende und suchende Vorantreiben kreativer Praxis zu charakterisieren scheinen. Wie aber gehen Phasen individueller Einzelarbeit in Prozessen kollektiver Evaluierung bzw. Weiterentwicklung auf, und umgekehrt? Inwieweit richten sich Entwurfs- und Evaluationsphasen dabei immer schon auf ein antizipiertes Endprodukt?

Im Zentrum des empirischen Projekts steht die ethnographische Beobachtung kreativer Arbeit. Durch die Lektüre von ausgewählte empirischen Fallstudien und fundierenden theoretischen Ansätzen (bspw. zum Kreativsubjekt) wird die empirische Forschung konzipiert und vorbereitet. In einem zweiten Schritt sollen konkrete methodische Herangehensweisen für die eigene empirische Forschung erprobt werden. Zum Ende des ersten Semesters sollen diese Vorarbeiten und Vorstudien zu einem umfassenden empirischen Forschungsprojekt (in Gruppenarbeit) ausgeweitet werden. Innerhalb von zwei Semestern werden alle Phasen von der Projektplanung, Feldphase und Datenanalyse bis zur Projektpräsentation und dem schriftlichen Forschungsbericht durchlaufen.

Empfohlene Literatur:

Reckwitz, Andreas 2008: Die Erfindung des Kreativsubjekts. Zur kulturellen Konstruktion von Kreativität, in: ders.: Unscharfe Grenzen. Perspektiven der Kultursoziologie. Bielefeld: transcript, S. 235-257

Helmut Willke, 1998: Organisierte Wissensarbeit. In: Zeitschrift für Soziologie 27: 161-177

Koppetsch, Cornelia (2006): Das Ethos der Kreativen. Eine Studie zum Wandel von Arbeit und Identität am Beispiel der Werbeberufe. Konstanz: UVK

Schmidt, Robert (2008): Praktiken des Programmierens. Zur Morphologie von Wissensarbeit in der Software-Entwicklung. In: Zeitschrift für Soziologie, Jg. 37, H. 4, S. 282-300

Robert Emerson et al., 1995: Writing Ethnographic Fieldnotes. Chicago: Chicago University Press

Dinge des Alltags

WS 2010/11, SS 2011

Leitung: Tobias Röhl, M.A.

Voraussetzungen / Organisatorisches: Diplom/Magister (Soziologie): Empirisches Projekt

Inhalt: Unser Alltag ist durch eine Reihe von Dingen bestimmt, ohne die das moderne Leben nicht funktionieren würde. Wecker reißen uns aus dem Schlaf, damit wir rechtzeitig zur Arbeit oder zu Schule und Studium erscheinen können. Kaffeeautomaten bereiten unseren Kaffee zu, der Föhn trocknet unsere Haare. Dank Mobiltelefon und Internet pflegen wir soziale Kontakte auch über große Entfernungen hinweg und das Auto bringt uns schnell und komfortabel von A nach B.

Im Projekt wollen wir mit zahlreichen kleinen ethnographischen Studien der Frage nachgehen, wie man diese Dinglichkeit des Alltags mikrosoziologisch fassen und analysieren kann. Wie bestimmen die Dinge unseren Alltag? Welche Praktiken des Dinggebrauchs lassen sich beobachten? Inwiefern handeln die Dinge und figurieren unsere Praktiken?

Im ersten Teil der Veranstaltung nähern wir uns diesem Thema über die Lektüre dingsoziologischer Arbeiten aus den Science and Technology Studies. Schließlich beschäftigen wir uns mit ethnographischen Zugängen zur Dinglichkeit des Alltags und erproben erste Feldzugänge zu gemeinsam ausgewählten Dingen des Alltags. Denkbar sind beispielsweise ethnographische Projektarbeiten zum Fernseher, zum Auto, zum Staubsauger oder zum Mikrowellenherd. In den Semesterferien führen die Studierenden hierzu eine Reihe von teilnehmenden Beobachtungen durch und fertigen Beobachtungsprotokolle an. Im zweiten Teil der Veranstaltung (SS 2011) widmen wir uns dann der ausführlichen Analyse dieser Protokolle. Die Studierenden schließen die zweisemestrige Veranstaltung mit der Anfertigung eines ausführlichen Projektberichts ab.

Empfohlene Literatur:

Belliger, Andrea / Krieger, David J. (Hg.) 2006: ANThology: Ein einführendes Handbuch zur Akteur-Netzwerk-Theorie, Bielefeld: transcript.

Hörning, Karl H. 2001: Experten des Alltags. Die Wiederentdeckung des praktischen Wissens, Weilerswist: Velbrück.

Schulischer Lernalltag. Die Erprobung ethnographischer Forschungszugänge in der Unterrichtsforschung

Leitung: Dr. Klaus Amann

Zielgruppe: Studierende im Hauptfach Soziologie (Magister, Diplom)

Stellung im Studiengang: Magister: Empirisches Projekt Teil I Diplom: Empirisches Projekt Teil I

Inhalt: In diesem - über zwei Semester laufenden - empirischen Projekt wird es um die Auseinandersetzung mit aktuellen Forschungsstrategien in der qualitativen Unterrichtsforschung gehen. Seit mehreren Jahren dominieren in der empirischen Bildungsforschung Verfahren der quantitativ-vergleichenden Untersuchung von Schulleistungen. Wissen und Kenntnisse von Schülern in den Schulfächern werden mit verschiedensten Instrumentarien gemessen und dienen einem nationalen wie internationalen Wettstreit um obere Plätze auf Vergleichsskalen. Dem steht eine wachsende, jedoch immer noch vergleichsweise marginale Forschung zum Unterrichtsgeschehen gegenüber, die versucht, den Alltag des schulischen Lernens in seiner mikro-sozialen Dynamik zu analysieren. Im ersten Semester werden wir uns sowohl mit einer Vertiefung des methodischen und methodologischen Wissens um ethnographisches Forschen, als auch mit den zentralen Resultaten qualitativer Unterrichtsforschung beschäftigen. Wir werden gemeinsam mit Hilfe der Literatur die wichtigsten offenen Fragen der Unterrichtsforschung erarbeiten und zugleich erste eigene Überlegungen zu deren empirischer Bearbeitung formulieren. Die Schaffung von Zugängen zu realen Unterrichtssituationen in Schulen und erste Beobachtungen sowie deren gemeinsame Diskussion sollen schließlich zur genaueren Bestimmung weiterer eigener Empirie im 2. Teil des empirischen Projektes dienen.

Zu der Veranstaltung werden nur Studierende zugelassen, die erfolgreich an der Vorlesung ”Einführung in qualitative Methoden” teilgenommen haben.

Literaturhinweise:

Breidenstein, Georg (2006): Teilnahme am Unterricht. Ethnographische Studien zum Schülerjob. Wiesbaden: VS-Verlag.

Hirschauer, Stefan / Amann, Klaus (1997): Die Befremdung der eigenen Kultur. Zur ethnographischen Herausforderung soziologischer Empirie. Frankfurt/Main: Suhrkamp.

Kalthoff, Herbert et al. (Hg.) (2008): Theoretische Empirie. Zur Relevanz qualitativer Forschung. Frankfurt/Main: Suhrkamp.

Wiesemann, Jutta (2000): Lernen als Alltagspraxis. Lernformen von Kindern an einer freien Schule. Bad Heilbrunn: Klinkhardt.

Wiesemann, Jutta / Amann, Klaus (2002): Situationistische Unterrichtsforschung. In: G. Breidenstein et al. (Hg.): Forum qualitative Schulforschung 2. Opladen: Leske+Budrich. S. 133-158.